Shibari Körper Formen
Renate Geiter und Rudolf A. Scholl
Vernissage: am 20.07.2018 von 18-21 Uhr
Finissage:    am 03.08.2018 von 18-21 Uhr
Livefessel-Performance: am 27.07.2018 von 18-21 Uhr
Veranstalter: Scholl Stiftung  und Grevy
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In der Ausstellung Shibari Körper Formen lädt uns Renate Geiter ein, mit ihrer Malerei die japanische Fesselkunst durch ihr Auge kennenzulernen. In ihren live bei performances entstandenen Arbeiten konzentriert sie gekonnt, genau beobachtend und mit großer Spontanität das Spiel zwischen Körperhaltungen, Gliederverformungen, Knoten und Seilverstrebungen zu einem ästhetischen Moment. Anders beleuchten Rudolf A. Scholls Sockelobjekte den Dialog zwischen den Körpern, indem er den Sockel und sein Objekt als nunmehr eigenständige Partner zueinander gesellt und in eine Auseinandersetzung miteinander bringt. Zwischen Versöhnung, Streit um die Vorherrschaft und dem Miteinanderzurechtkommen hinterfragt Scholl dabei ihre eigene historisch vorgefasste Rolle.

www.leonberben.org
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FINISSAGE - RUDOLF A. SCHOLL

und Konzert Léon Berben (Cembalo)

 

Die Finissage der Ausstellung mit Gemälden und Skulpturen von Rudolf A. Scholl markieren die KirchenTöne am Freitag, 10. November, 19.30 Uhr, in der Antoniterkirche, Schildergasse 57. Léon Berben am Cembalo spielt Musik von John Bull, Johann Caspar von Kerll und Johann Sebastian Bach. Der Eintritt ist frei.

 

Der Maler und Bildhauer Rudolf Alfons Scholl, geboren 1931 in Köln, studierte zwischen 1956 und 1962 an der Düsseldorfer Kunstakademie und den Kölner Werkschulen. 1961 gründete er zusammen mit Hans-Joachim Block, Ben Granzer, Peter Ohlow und Jürgen Hans Grümmer die Gruppe "mal fünf", 1963 wurde er mit dem Förderpreis für Malerei der Stadt Köln ausgezeichnet. Die nun präsentierten Werke zeigen einen Querschnitt seines innovativen Schaffens in den kreativen Sechziger Jahren. Von Scholl stammte das Beton-Relief, das fünf Jahrzehnte lang markant die Westfront der alten Gemeinderäume prägte.

Rudolf A. Scholl - Die 60er Jahre - eine Einordnung zur Vernissage in der Antoniterkirche (20/09/17)

 

Seit über 60 Jahren arbeitet der Künstler Rudolf A. Scholl in und mit der Stadt Köln. Nach dem Studium an der staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Bruno Goller und an der Kölner Werkschule bei O. H. Gerster fand er mit seinem neugierigen Blick und Interesse, seinem von spielerischer Dynamik geprägten ästhetischem Empfinden schnell Bewunderer und Förderer. In der noch von der Nachkriegszeit der 50er Jahre geprägten Stadt formierte sich bald eine wiederauflebende Kunstszene aus alteingesessenen und neuen Galerien. Bereits 1960 hatte Scholl seine erste große Ausstellung in der Galerie Boisserée, 1961 wurde er zum Mitbegründer der Gruppe mal fünf. 1963 erhielt er den Förderpreis für Malerei der Stadt Köln. Später folgten Aufträge für Kunst im öffentlichen Raum: Imprägnierungen, Wegmarken in einer Stadt, die – im Sinne des Aufschwungs, den Blick nach vorne gerichtet – Neuzeitlichkeit im Geiste des Jahrzehntes in ihr Stadtbild zu bringen versuchte. Scholls Plastiken, seine Kunst am Bau fanden dabei eine Heimat an öffentlichen Plätzen und Gebäuden der Stadt und des Landes, in privaten Institutionen, an Schulen und in Kirchen. 1967 schließlich begab sich Scholl an die Gestaltung der Rückwand des Gemeindehauses der Antoniterkirche. Die Kölnische Rundschau schrieb dazu im Januar 1967: „Die plastische Wand, für die Passanten noch durch den Bauzaun verdeckt, wurde in einem Stück aus Beton gegossen. Das Formgefüge wurde in fünf Schichten – insgesamt 15 Zentimeter – gestaltet, die abwechselnd eine glatte oder gerauhte Oberfläche haben. Das additive Prinzip der Bilder Scholls kehrt auch in dieser Bildhauerarbeit wieder.“ Dieses im Artikel so benannte additive Prinzip ist etwas, das uns in Scholls Arbeiten immer wieder und in unterschiedlichen Formen begegnet. Oft versucht er neue Lösungswege für seine malerischen und graphischen Experimente durch Hinzufügen und Wegnehmen, durch das Weiterausgestalten von Formen und Kontrasten zu finden. In seinen Kreidezeichnungen und Additionsbilder der 60er Jahre (z.B. Ballett der Zeichen) hat er eine – dem Informell verwandte - ganz eigene, fein strukturierte Bild- und Formensprache, aber auch eine ganz eigene Handschrift ausdifferenziert, die für Scholl typisch werden soll und sich - wenngleich immer weiterentwickelt und immer wieder neu erfunden – in vielen Arbeiten wiedererkennen lässt. Zarte Linien und Schraffuren treffen starke Formen, kontrastreiche Flächen und Farbmuster, tanzende fließende Striche und vor allem immer: Bewegung. Waren jedoch in den Additionsbildern noch die feinen Linien und Schraffuren maßgeblich im Zentrum, rückt er in den so genannten Schablonenbildern die Fläche in den Vordergrund. Karl Ruhrberg zitierte den Künstler mit seinen eigenen Worten: Er „wolle nicht mehr malen, sondern spritzen.“1 Über großformatige Schablonen begann Scholl mit Spraydosen seine Struktur- und Farblandschaften zu gestalten und nähert sich dabei immer mehr einem ornamentalen Negativbild an. Dass er hin und wieder betonte, die Zahlenwelt der Buchstabenwelt durchaus vorzuziehen überrascht dabei nicht. Ernst Fischer konstatierte dazu in „Von der Notwendigkeit der Kunst“: „Was der Kristall in der Natur, ist das Ornament in der Kunst. […] Diese Ornamentik ist offenkundig anschauliche Mathematik und den Ziffern vorangegangen so wie die Bilderschrift den Buchstaben (...)“2 Scholls künstlerische Mathematik ist aber kein bloßes Errechnen von Formen, bedient sich keiner Algorithmen und ist schon gar keine Aleatorik. Sein Addieren und Subtrahieren gleicht vielmehr dem Spiel eines Zahlenkünstler, der mit den unendlichen Möglichkeiten von Kombinationen und Abwandlungen dem naturaliter monologischen Ornament gestaltende dialogische Kraft verleiht und es nicht nur als reines Dekor versteht. Parallel zu den Additions- und Schablonenbilder entstand auch sein Betonrelief, das nun 50 Jahre in engster Nachbarschaft zur Antoniterkirche Bestand hatte. Unverkennbar ist der 1Karl Ruhrberg in: Rudolf A. Scholl, Arbeiten 1962-2004, Salon Verlag, Solingen 2004 2 Ernst Fischer, Von der Notwendigkeit der Kunst
Einfluss von Scholls malerischer und graphischer Formensprache, der sich in seinem Zueinanderfügen der Strukturen zeigt, aber hier - von seinen Schablonenbildern inspiriert nicht nur versucht Tiefe und Ebenen zu generieren, sondern sie tatsächlich erfahrbar macht. Es scheint fast so, als ob das Relief eine Übertragung der Prinzipien seiner additiven Arbeiten in den dreidimensionalen Raum ist. Als ob nun hier die Schablone gewissermaßen überflüssig geworden ist, weil die Räumlichkeit alle Möglichkeiten bietet Ebenen schließlich auch haptisch und nicht nur illusorisch erfahrbar zu machen. Das spielerische Nachdenken Scholls über Strukturen und Bewegungen, über Flächen und Formen entspringt bei ihm nicht aus einem vorher konstruierten Theorem, sondern es entspringt der Freude am Einfall, am praktischen Ausprobieren, am Umgestalten und Umwandeln. „Scholl ist kein Revolutionär sondern ein Umstürzler“ konstatierte Manfred Schneckenburger 2004. Ein Umstürzler ist am Wandel interessiert und nicht an der Destruktion oder Dekonstruktion. Für das Ausprobieren und Umwandeln braucht es einen sich vor allem aus Neugierde und spielerischer Fantasie begründenden Nährboden. Diese Fantasie Scholls ist dann nicht nur Antrieb, sondern erst Voraussetzung und Möglichkeit sich auf begeisternd spielerischer Art mit den eigenen inneren Ideen und dem Äußeren, dem Sichtbaren auseinanderzusetzen.

 

Maximilian Mißelbeck, September 217

 

VERNISSAGE - Rudolf A. Scholl - Die 60er Jahre

 

Die Ausstellung mit Gemälden und Skulpturen von Rudolf A. Scholl feiert am Mittwoch, 20. September 2017, 19 Uhr, in der Antoniterkirche, Schildergasse 57, Vernissage. Die Schau würdigt die Schaffenskraft des Künstlers in den 1960er Jahren. Von ihm stammte das Beton-Relief, das fünf Jahrzehnte lang markant die Westfront der alten Gemeinderäume prägte.
Der Maler und Bildhauer Rudolf Alfons Scholl, geboren 1931 in Köln, studierte zwischen 1956 und 1962 an der Düsseldorfer Kunstakademie und den Kölner Werkschulen. 1961 gründete er zusammen mit Hans-Joachim Block, Ben Granzer, Peter Ohlow und Jürgen Hans Grümmer die Gruppe "mal fünf", 1963 wurde er mit dem Förderpreis für Malerei der Stadt Köln ausgezeichnet. Die nun präsentierten Werke zeigen einen Querschnitt seines innovativen Schaffens in den kreativen Sechziger Jahren.